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Die Geschichte der Domschule Schleswig

Als im Jahre 1307 Cecilia Litle, Tochter des Drosten Jon Jonson Litle den Scholaren von "Hethaeby" am dortigen Dom St. Peter einige Mark Silber hinterlässt, sorgt sie auch dafür, dass so etwas wie Schulbetrieb im Zusammenhang mit dem Schleswiger Dom seine erste Erwähnung findet. Damit ist die Domschule in Schleswig erstmals urkundlich nachweisbar, der Fixpunkt für das 700jährige Jubiläum 2007 ist gesetzt, der das heutige Gymnasium zu einer der ältesten Schulen im Norden Europas macht.

Über die mittelalterlichen Schule am Schleswiger Dom wissen wir so gut wie nichts. Man kann vermuten, dass er schon im 11. Jahrhundert eingesetzt hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens ab 1096, als das Domkapitel als Beirat des Bischofs eingerichtet wurde. Da es ausschließlich um die Ausbildung kirchlicher Nachwuchskräfte ging, werden vor allem Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben lateinischer Texte Gegenstand des Unterrichts gewesen sein, verbunden mit der Vermittlung biblischer und theologischer In¬halte. Mit Sicherheit ist es keine allgemeine Schule für die Bürger der Stadt Schleswig gewesen.

Dies ändert sich mit der Reformation Martin Luthers, hier im Norden vor allem von Johannes Bugenhagen vorangetragen. Verbunden mit den Ideen des Humanismus entstand im 16. Jahrhundert das Bedürfnis, auch Gemeindemitglieder zu befähigen, "ad fontes" - zu den Quellen - kirchlicher und antiker Texte vorzudringen.
Neben Bürgerschulen sollen nun Lateinschulen und "Gelehrtenschulen" auch den Laien offen stehen, damit sie in theologischen Diskussionen in ihren Gemeinden qualifiziert mitreden könnten. Damit gewann neben dem Lateinischen das Griechische als Ursprungssprache des Neuen Testaments und auch das Hebräische einen Platz im Programm gehobener Schulen. Zugleich sollten diese Schulen auf das Studium an den immer zahlreicher werdenden Universitäten vorbereiten.
In Schleswig wird diese neue Entwicklung deutlich erkennbar mit der Schulordnung des Domschulrektors Michael Stanhufius von 1557. Sie setzt - anknüpfend an Bugenhagens Kirchenordnung von 1542 - die entsprechenden neuen, reformatorisch-humanisti¬schen Akzente.

Der Versuch, im 17.Jahrhundert aus der Schleswiger Domschule eine Landeshochschule erwachsen zu lassen, ist nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Erst 1808 gelang es dem damaligen Generalsuperintendenten Adler als kirchlichem Schulaufsichtsbeamten, eine Schulreform durchzusetzen, die aus der Domschule eine nach damaligen Maßstäben anerkannte "Gelehrtenschule" machte, die sich aber noch in Vielem vom gleichzeitig entstehenden preußischen "Gymnasium" unterschied.
1814 übernahm dann der dänische Staat die Schulaufsicht über die Gelehrtenschulen von der Kirche - die Domschule Schleswig und das Christianeum in Altona wurden der dänischen Krone direkt unterstellt. Die Vorbereitung auf ein Universitätsstudium war nun eindeutige Aufgabe dieser Schulen.

Die Revolution von 1848 bedeutete für Schleswig-Holstein und Dänemark vor allem den offenen Ausbruch des Nationalitätenkonflikts in den Herzogtümern. Nach 1850, als der Schleswig-Holsteinische Kampf um Zugehörigkeit zu einem deutschen Nationalstaat gescheitert war, gab es intensive Versuche, die Domschule zu "danisieren".
Bei der Einstellung neuer Lehrer wurden Reichsdänen Bewerbern von deutschen Universitäten eindeutig vorgezogen.

Als Schleswig-Holstein 1866 preußische Provinz wurde, erfolgte auch die räumliche Trennung vom Dom. An der Königstraße entstand für die nunmehr königlich-preußische Domschule ein neuer, repräsentativer Bau, der von den Ansprüchen der neuen Herrscher künden sollte. 1869 konnte das alte Domschulgebäude (Süderdomstraße 15) aufgegeben werden: 285 Schüler bezogen die 10 neuen Klassenräume an der Königstraße.
Die Domschule war damals (altsprachliches) Gymnasium und Realschule. In Sexta und Quinta (5. und 6. Klasse) wurden die Schüler beider Schularten gemeinsam unterrichtet.
Von den Ideen Wilhelm von Humboldts, der zu Beginn des 19.Jahrhunderts die Entwicklung des preußischen Gymnasiums mit dem Ziel initiiert hatte, selbständig denkende Persönlichkeiten und Staatsbürger auszubilden, war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig. Auch im gymnasialen Unterricht haben sich vor allem Vorstellungen von Drill und Gehorsam durchgesetzt, fürchtet jedenfalls der damalige Domschuldirektor Keck.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und der Novemberrevolution 1918 wurde aus der "Königlichen Domschule" die "Staatliche Domschule". Intensive Auseinandersetzungen um reformpädagogische Ansätze wie den "Arbeitsunterricht" prägen die Jahre der Weimarer Republik.

Ab 1933 hatte sich die Schule mit den Anforderungen des NS-Regimes auseinanderzusetzen. Natürlich wurden die Domschüler (fast alle) Mitglieder von Jungvolk und HJ. Unter den Lehrern gab es überzeugte Nationalsozialisten. Am 20. April wurde "Führers Geburtstag" mit dem Horst-Wessel-Lied und entsprechenden Gedichten gefeiert. Aber immerhin: Zur Entlassungsfeier der Abiturienten standen ausschließlich Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch auf dem Programm...
1937 wurde der altsprachliche Gymnasialzweig auf Weisung der Regierung eingestellt. Die Domschule wurde - mit entsprechender Umstellung der Lehrpläne - "Deutsche Oberschule". Dem damaligen Direktor Heinrich Theune gelang es jedoch, den altsprachlichen Zweig mitten im Krieg 1941 wieder zu reaktivieren.

Ab 1946 konnte der Schulbetrieb nach zwischenzeitlicher Zweckentfremdung des Gebäudes als Lazarett wieder regelmäßig stattfinden. Die Domschule war jetzt "Staatliche Oberschule für Jungen und Gymnasium".
Eine Reihe größerer und kleinerer Anbauprojekte zwischen 1950 und 1970 zeugen vom Wandel der Schule in der Nachkriegszeit. Über Jahre hatten provisorisch gedachte Pavillons das Raumangebot ergänzt.
1957 feierte man das 650-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung. Mit dem Schuljahr 1972/73 brachte die Einführung der Koedukation neue Herausforderungen in die von den Ausstrahlungen der 68er Unruhe verunsicherte Domschule.
Aber auch die Einführung der reformierten Oberstufe (damals noch "Studienstufe") 1978 ließ die Schule nicht untergehen, ebenso wenig wie der Wechsel der Trägerschaft im Jahre 1982: Nun wurde aus der staatlichen Domschule ein "Gymnasium der Stadt Schleswig für Jungen und Mädchen mit altsprachlichem Zweig".

Wenn sich die erste urkundliche Erwähnung der "Scholaren am Dom" nun zum 700. Mal jährt, steht die Domschule wieder mitten in einem Wandlungsprozess, der von einer Vielzahl von Reformansätzen geprägt ist. Deren Auswirkungen für Unterricht und Organisation lassen sich heute noch nicht überblicken, aber die Domschule in Schleswig hat allen Grund, sich auch diesen Herausforderungen mit Tatkraft wie Gelassenheit hoffnungsvoll zu stellen.

Ein Artikel von Georg Reußner.


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